Orthoptik/Sehschule in der (Kinder-)Rehabilitation

Orthoptik ist der Fachausdruck für Sehschule. Die Orthoptik ist ein Spezialgebiet der Augenheilkunde und des angrenzenden Fachbereiches der Neurologie. Sie befasst sich mit der Zusammenarbeit der beiden Augen und der Qualität des Sehvermögens. Die Diagnostik und Therapie in diesem Bereich werden von Orthoptist*innen durchgeführt. 

Orthoptist*innen gehören den medizinisch-technischen Gesundheitsberufen an und sind spezialisiert auf Schielen, Sehbehinderung und visuelle Wahrnehmungsstörungen. Die Ausbildung erfolgt in Österreich als 3-jähriges Bachelor-Studium an der FH Campus Wien oder an der FH Salzburg. Orthoptist*innen arbeiten auf ärztliche Zuweisung eigenverantwortlich und eigenständig.

Im Radkersburger Hof arbeiten die Orthoptist*innen in der Prävention, Diagnostik und Therapie in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenrehabilitation. In der Orthoptik werden Personen aller Altersstufen behandelt, vom Säugling bis zu den alten Menschen. Kein Kind und kein Erwachsener ist zu jung/alt für eine orthoptische Untersuchung!

Viele Kinder und Erwachsene, die im Radkersburger Hof betreut werden, haben neben allgemeinen Beeinträchtigungen (motorisch, sprachlich,…) auch Sehstörungen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Erwachsene können ihre Probleme oft gut beschreiben, bei Kindern ist dazu noch eine gezielte Beobachtung ihres Verhaltens im Alltag wichtig. Beeinträchtigungen des Sehens oder der weiteren Verarbeitung im Gehirn beeinflussen auch wichtige Alltagsfunktionen und können sich daher auch auf andere Therapieerfolge auswirken (Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Psychologie, …).

Orthoptist*innen im Radkersburger Hof betreuen Kinder und Erwachsene mit folgenden Sehstörungen:

  • Gesichtsfeldeinschränkungen (Hemianopsie, Quadrantenanopsie)
  • visuellem Neglect (Halbseitenvernachlässigung)
  • Schielen, Doppelbildern
  • Augenmuskellähmungen, Blickparesen
  • verzögerter Sehentwicklung bei Kindern
  • Teilleistungsschwächen
  • Kopfschmerzen
  • Augenzittern (Nystagmus)
  • Schwindel
  • Seh- und Mehrfachbehinderung
  • Problemen bei Bildschirmarbeit
  • Sehstörungen/visuelle Beschwerden bei neurologischen Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder internen Erkrankungen
  • Sehstörungen durch visuelle Überbelastung (Asthenopie)
  • erworbener Sehschwäche (Beratung oder Anpassung vergrößernder Sehhilfen)
  • CVI (cerebral visual impairment) – zentral bedingte visuelle Wahrnehmungsstörung bei Kindern: Durch eine fehlerhafte Verarbeitung, Weiterleitung und Speicherung des Gesehenen im Gehirn kommt es zu Schwierigkeiten in der visuellen Wahrnehmungsentwicklung des Kindes. Eine gute visuelle Wahrnehmungsverarbeitung ist für die allgemeine Entwicklung und für ein erfolgreiches Lernen in der Schule wichtig. Es können folgende Schwierigkeiten/Auffälligkeiten bei Kindern mit CVI auftreten:
    • in der visuellen Suche/Überblick und visuellen Aufmerksamkeit
    • in der visuellen Formwahrnehmung, Figur- Grund-Wahrnehmung
    • in der Objektwahrnehmung
    • in der Gesichter- und Mimikwahrnehmung
    • im visuellen Erkennen von Zahlen und Buchstaben
    • im visuellen Gedächtnis
    • in der visuell-räumlichen Wahrnehmung
    • in der Visuographomotorik, Auge-Hand-Koordination

In der Schule und im Alltag kommt es bei Kindern mit CVI beispielsweise zu Fehlern beim Abschreiben, Leseschwierigkeiten, Schwierigkeiten in der Orientierung auf farbigem/unruhigem Untergrund, stolpern, das Binden einer Masche oder das Puzzlebauen ist nicht oder nur schwer möglich, das Kind verläuft sich oder erkennt bekannte Personen nicht wieder.

Eine orthoptische Diagnostik ist sehr umfangreich und zeitaufwändig. Sie kann insgesamt bis zu 3 Stunden in Anspruch nehmen.

Nach einer umfassenden orthoptischen Untersuchung am Radkersburger Hof wird entsprechend der Sehstörung eine individuelle Therapie erstellt und mit den Betroffenen bzw. mit den Angehörigen besprochen.

Das Behandlungsangebot umfasst:

  • Kompensationstraining bei Gesichtsfeldausfällen
  • Anpassung vergrößernder Sehhilfen
  • Doppelbildausgleich mit Prismenfolie
  • bei Schwierigkeiten der Zusammenarbeit beider Augen können Binokularschulungen angeboten werden
  • Unterstützung und Beratung für Sehfrühförderung, Arbeitsplatz, Schule und weiterführende Therapien für zu Hause
  • Förderung der visuellen Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern

Eine orthoptische Therapie kann zwar keine Augenerkrankungen heilen, aber es wird dadurch die kindliche Sehentwicklung wesentlich unterstützt und gefördert. Auch erwachsene PatientInnen lernen mit Hilfe der orthoptischen Therapie mit ihrer Sehbeeinträchtigung im Alltag bestmöglich umzugehen. Orthoptist*innen des Radkersburger Hofs arbeiten in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen. Im Radkersburger Hof gibt es die Abteilung Orthoptik für Patient*innen aller Altersgruppen seit 2009. Der Radkersburger Hof war österreichweit die erste Rehabilitationseinrichtung für Kinder mit dem Zusatzangebot Orthoptik!